Wissenswertes über eine Ausbildungs-Patenschaft

Patenkinder
Patenkinder

Laut amtlicher Statistik (in 2014) braucht eine vierköpfige Familie zum Leben monatlich je nach Kurs bis zu 1.000 €.

Waren die Eltern arbeitslos oder reichte der Verdienst nicht aus, um die Familie zu ernähren, mussten die Kinder oft zum Unterhalt beitragen. Diese Kinder besuchten die Schule entweder gar nicht oder sie verließen sie nach 3 oder 4 Jahren ohne einen Abschluss. Meist mussten sie sich dann ihr Leben lang den Unterhalt als Gelegenheitsarbeiter verdienen.
Um dies zu vermeiden, finanziert „KoBra“ seit über 20 Jahren Ausbildungs-Patenschaften.

Notleidende Familien, deren Kinder lernwillig sind, werden unseren Mitarbeitern von Mitgliedern der Basisgemeinden benannt oder sie wenden sich selbst an die von uns finanzierten Betreuerinnen. Diese besuchen daraufhin die Familien, um deren Situation kennen zu lernen.
Gehen die Kinder bereits zur Schule, so findet noch ein Gespräch mit den betreffenden Lehrern statt, um mehr über den Lernfortschritt zu erfahren. (Dies wird auch in den folgenden Jahren der Betreuung beibehalten.)
Bevor eine Unterstützung zugesagt wird, erfolgt eine Abstimmung mit Dr. Mürtz. Ihm wurden bei seinen Besuchen in Rondonópolis-MT diese Familien auch persönlich vorgestellt.
Bei allen Gesprächen wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass eine Unterstützung nur dann und nur so lange gewährt wird, wie die/der Jugendliche die Schule besucht.

Die offizielle (aber nicht kontrollierte) Schulpflicht beträgt 8 Jahre. Daran schließt sich eine dreijährige Oberstufe an. Hat man auch diese mit Erfolg absolviert, kann man nach einer bestandenen Zusatzprüfung sogar ein Universitätsstudium beginnen. (Anm.: Ohne Schulabschluss stellt der Staat nicht einmal einen Nachtwächter ein.)

Stimmen alle darin überein, dass aufgrund einer Unterstützung mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kind zum Schulabschluss geführt werden kann, so versuchen wir, Pateneltern in Deutschland zu finden.
Erklärt sich jemand bereit, ein Kind während seiner Schulausbildung (maximal 8 oder 11 Jahre) zu unterstützen, so bieten wir zwei verschiedene Patenschaften an, unter denen man je nach den finanziellen Möglichkeiten auswählen kann:

  1. Für eine persönliche Patenschaft sind monatlich mindestens 30 Euro  aufzubringen:

    Davon erhält die Familie des Patenkindes Waren (Schulmaterial, Lebensmittel, Kleidung u.a.) im Wert von ca. 28 Euro und 2 Euro stehen für Notsituationen (Krankheit u.ä.) zur Verfügung. Die Paten erhalten ein Bild von dem Patenkind und eine kurze Vita. Darüber hinaus werden die Paten jährlich über die weitere Entwicklung des Kindes informiert, wobei ihnen auch ein neueres Foto zugestellt wird. Falls es gewünscht wird, kann auch eine persönliche Verbindung hergestellt werden, was jedoch nicht notwendig ist. Dabei ist zu beachten, dass die Kinder nur portugiesisch sprechen und das oft noch schlecht. Zwar kann unser ehemaliges Patenkind Elisângela, die für die Betreuung vor Ort hauptverantwortlich ist, die Briefe übersetzen, bittet aber aus Zeitgründen den Briefwechsel nicht zu intensivieren.
    Persönliche Geschenke sollten im Sinne einer Gleichbehandlung unterbleiben. Zu Ostern und Weihnachten werden alle Patenkinder im Rahmen einer Feierstunde gleichermaßen beschenkt. Aus diesem Anlass wären wir für eine freiwillige Spende von 10 oder 15 Euro/Jahr sehr dankbar.

  2. Man spendet nach freiem Ermessen einen monatlichen Betrag für die Kinder, die keine deutschen Paten haben, aber aufgrund ihrer Bedürftigkeit von KoBra aus dem allgemeinen Spendenaufkommen wie Patenkinder unterstützt werden. Eine jährl. Information erfolgt auch in diesem Fall.

Briefe von Patenkinder und Mitarbeitern

Brief von Pantenkind Bruno

Patenkind Bruno
Patenkind Bruno

Dankschreiben an Helfer aus Deutschland vom (08.03.2009)

Sehr geehrte Helfer,
heute bin ich sehr froh, da ich eins von meinen Zielen erreichen konnte. Es ist mir eine große Freude, Euch diesen Erfolg mitzuteilen, besonders denen, die mir die Mittel zukommen ließen, damit ich das erreichen konnte.

Ich werde zwei Studien anfangen. Eines davon ist bei einer privaten Universität, wo ich (aufgrund meiner Leistungen) vom Staat ein Vollstipendium (Prouni) für das Studium der Personalverwaltung bekommen habe. Ich habe die Aufnahmeprüfung bei der staatlichen Universität (UFMT) bestanden. Einer von meinen Träumen ist, einmal an einer staatlichen Universität unterrichten zu dürfen. Mir ist bewusst, dass ich dafür viel lernen muss. Ich wünsche mir von ganzem Herzen ein Geschichts-Studium zu ende zu bringen und dann eine Diplomarbeit anzufertigen. Dies ist mein Traum, Traum wofür ich sehr kämpfen werde.

Seit fast drei Monaten arbeite ich in einem Büro als „Office Boy“ und dank dieser Stelle kann ich meinen Unterhalt bestreiten. Ich weiß, dass mich das Studium viel kosten wird, aber ich zähle weiterhin auf eure Unterstützung, und ich hoffe im Vertrauen auf Gott, dass ich Euch in einiger Zeit wieder so einen Brief schreiben kann. Ich hoffe Euch dann den Erfolg mitteilen zu können, ein Diplomstudium aufgenommen zu haben.

* * *

Den Brief habe ich vor einigen Tagen geschrieben. Da ich damals keinen Computer in der Nähe hatte, konnte ich nicht vorhersehen, dass ich heute eine schwierige Entscheidung treffen muss.  Ich muss mich für einen Studienplatz entscheiden, weil sich meine Zeit, die Fahr- und Arbeitzeit sowie die zurückzulegenden Entfernungen nicht in Einklang bringen lassen. Wie ich berichtete, bin ich tagsüber in einem Büro tätig und meine Vorlesungen beginnen täglich um 19 Uhr und gehen bis 22:30 Uhr. Aufgrund der Zeit und der Forderungen sowohl von der Arbeit als auch vom Studium her gibt es so viele Hindernisse, dass ich ein Studium aufgeben muss. Ich entscheide mich deshalb für Geschichte, da dies mein größter Traum ist. Wenn es mir möglich wäre, hätte ich gern beide Studien durchgezogen. Leider verhindern meine menschlichen Einschränkungen so eine Entscheidung. Mit einem Fahrrad fahre ich täglich zur Arbeit. Zusätzlich muss ich täglich viermal den Bus benutzen, weil die Entfernung von Zuhause bis in die Universität sowie von der Arbeit aus zu groß ist. Ich habe schon 6 Kilo abgenommen. Aus all diesen Gründen musste ich diese schwierige Entscheidung treffen.

Ich bin Euch für alle Hilfe dankbar. Dies gab mir die Chance, meine Schulzeit erfolgreich zu beenden und hilft mir, ein Studium zu absolvieren.
Vielen Dank für alles. Gott möge jeden von Euch segnen.

Eine herzliche Umarmung von
Bruno

Brief von Patenkind Jésika

Per E-Mail an Elisângela geschickt, die den Text dann übersetzt hat.

Querida madrinha,

venho por meio de esta agradecer-lhe por tudo que fez e proporcionou para mim. Sei que devia ter escrito mais vezes, porém fui falha nessa parte. Penso que as vê-zes nos prendemos em nosso  mundo e não vemos o que realmente importa, e o que precisa ser visto!
Sinceramente agradeço. Pois é a única forma que tenho de tentar dizer-lhe o quan-to a sou grata.
Espero que continue no projeto, pois ele é de suma importância para as crianças. E que se optar por apadrinhar outra criança, que ela saiba valorizar essa oportuni-dade, pois essa é uma ajuda para auto-ajuda.
Quero que saiba também que concluir o ensino médio com êxito, e que  pretendo fazer faculdade de sistema de informação. Foi minha conquista, mas com a sua ajuda.
Obrigada, por tudo mesmo!
Continue com a ajuda. Pois quem ajuda, um dia também será ajudado!
“A vida nos deixa várias escolhas, mas apenas uma solução”!
Faça a escolha certa!
Assinado:                Jésika Carolynne Martins da Silva
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Liebe Patin,

mit diesem Schreiben will ich Ihnen danken. Danken für alles, was Sie mir getan und ermöglicht haben. Ich weiss, dass ich Ihnen hätte mehrmals schreiben müssen. Jedoch bin ich sehr nachlässig in dieser Sache. Wir beschränken uns mitunter in unserer Welt, und so achten wir nicht genau auf das, was wirklich wichtig ist und auf was gesehen werden sollte!
Ich bin Ihnen wirklich dankbar. Dies ist die einzige Art, wo ich Ihnen sagen kann, wie dankbar ich bin.
Ich wünsche mir sehr, dass Sie im (Patenkinder-)Projekt bleiben, weil dies ganz wichtig für die Kinder hier ist. Und wenn Sie sich für eine weitere Patenschaft entschließen soll-ten und ein anderes Kind als Patenkind übernehmen, möge dieses Kind diese einmalige Gelegenheit nutzen, da dies eine Hilfe zur Selbst-Hilfe ist.
Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich die Oberstufe mit Erfolg beendet habe und dass ich ein Studium in Informatik anfangen möchte. Dies war mein Ziel, jedoch nur dank Ihrer Unterstützung.
Wirklich vielen Dank für alles!
Bitte helfen Sie weiter. Wer hilft, dem wird auch eines Tages geholfen!

„Das Leben gibt uns verschiedne Möglichkeiten, aber nur eine einzige Lösung“!
Wählen Sie die richtige!

Ihre
          Jésika Carolynne Martins da Silva

Brief von Mitarbeiterin Vera

Mitarbeiterin Vera mit Patenkindern
Mitarbeiterin Vera mit Patenkindern

Die KoBra-Angestellte Vera schrieb am 23.02.2009 an Familie Mürtz:

„.... Bei der letzten Eltern-Versammlung ist Bruno (ein ehemaliges Patenkind), das ohne Familie und allein gewohnt hat, aufgestanden und sprach vor allen Leuten. Ich weinte vor Freude.
Er sagte: “Wenn KoBra nicht gewesen wäre, hätte ich nie die Möglichkeit gehabt, meine Schulzeit zu ende zu bringen. Ich hätte den Vorbereitungskurs nicht besuchen und auch nicht die Aufnahmeprüfung machen können. Das Schöne daran ist, dass ich eine Arbeitsstelle bekommen habe; dies alles verdanke ich KOBRA“.
Als Mutter und Oma habe ich seine Entwicklung und sein Leben verfolgt, sowie von vielen „Brunos“ hier aus Rondonópolis. Deswegen versuche ich immer mein Bestes zu geben, mit viele Freude und Stolz auf das Projekt KOBRA.
„Gott segne Euch“  -  Eure große Verehrerin
Vera Lúcia A. Marques