Der Koblenzer Brasilienverein e.V. “KoBra”

wurde 1989 im Koblenzer Raum aus dem bereits 1985 in Ingelheim gegründeten Brasilienverein heraus von Dr. Hans-Josef Mürtz ins Leben gerufen, um den Ärmsten der Armen in Mato Grosso, Zentralbrasilien, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
Beide Vereine arbeiten eng zusammen und haben vorrangig die Kinder und Jugendlichen der Unterschicht als Hauptzielgruppe, da ihre Bildungs- und Ausbildungs-Chancen zu gering sind.

Der Leitgedanke ist, mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel zu erreichen. Dabei soll es nicht nur um eine Anschubfinanzierung zur unmittelbaren und nachhaltigen Sicherung der Grundbedürfnisse und zur Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen gehen. Es sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, daß diese Menschen ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein steigern, ihre demokratischen Rechte wahrnehmen und in Würde leben können.

Die Entwicklungshilfe soll auf der Basis von gegenseitiger Achtung und Lernbereitschaft, von Solidarität und partnerschaftlichem Miteinander geleistet werden, d.h. Solidarität statt Almosen.

KoBra-Vorstand (seit 11.03.2020)

KoBra-Vorstand

Schatzmeisterin Ute Rochlus, Hannah Teles de Oliveira (geb. Rochlus), João Paulo Teles de Oliveira, Vorsitzender Dr. Hans-Josef Mürtz, Stellvertreter Franz Hof und Hermann Breitbach

stehend (von links nach rechts)

Nicht auf dem Foto: Schriftführerin Katja Szislowsli-Reucker und Vorstandsmitglied Guido Fuhrmann

 

Ein Bericht über die aktuelle Situation in Rondonópolis

Brasilien scheint im Moment der größte Corona-Krisenherd zu sein. Es verzeichnet die zweithöchste Zahl an Infizierten und an Toten. In den letzten Wochen ist das Virus zur größten Sorge vieler Brasilianer geworden. Nun ist das Virus auch im Landesinnern und somit in Rondonópolis angekommen. Die Intensivbetten, sowohl in öffentlichen als auch in privaten Krankenhäusern, sind seit einigen Tagen überfüllt. Anders als die Nachrichten zeigen, die hauptsächlich durch die Aussagen des Präsidenten Jaír Bolsonaro geprägt sind, wurden im März neue Verordnungen erlassen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus. Daraufhin mussten alle Schulen, Kindergärten, Restaurants, Bars, Geschäfte und Motorradtaxis den Betrieb einstellen. Ein Großteil der Regelungen wurde dann etwa einen Monat später wieder aufgehoben, da die Fallzahlen bis dahin kaum gestiegen waren. Allein die Schulen, Kindergärten und ähnliche Einrichtungen müssen weiterhin geschlossen bleiben. Anfang Juni hat die Stadtverwaltung versucht auf die neuesten Fallzahlen zu reagieren und eine Verordnung erlassen, die die Öffnungszeiten stark einschränkt. Ziel dieser Maßnahme ist es laut eigener Aussage, die Ansammlung vieler Menschen zu verhindern. Doch es scheint eher das Gegenteil erreicht worden zu sein. Da die Jugendzentren von KoBra als schulähnliche Einrichtung gelten, sind keine Aktivitäten zurzeit möglich. Einige Mitarbeiter mussten daher freigestellt werden. Es wird versucht, über Nachrichtendienste und E-Mails mit den Jugendlichen Kontakt zu halten. Doch dies ist sehr schwierig, da vielen ein vernünftiger Internetzugang fehlt. Deshalb ist für die Schulen die Umsetzung eines Fernunterrichtes nicht möglich. Da die meisten Kinder keine vernünftige Freizeitbeschäftigung mehr haben, hängen sie den ganzen Tag auf der Straße rum. Auch finanziell bringt die Krise große Einschnitte für Gering-Verdiener ohne festes Arbeitsverhältnis. Etwa 14 % der Bevölkerung bezieht ihren Lebensunterhalt aus dem unangemeldeten Verkauf selbst gemachter Produkte oder Dienstleistungen. Aber nicht nur unangemeldete Kräfte, sondern auch viele Soloselbstständige, Ladenbesitzer und Beschäftigte im privaten Raum haben ihre Einkommensquelle verloren. Zurzeit erhält KoBra so viele Anfragen für Lebensmittel und Medikamente wie noch nie zuvor. KoBra hat seit Beginn der Krise in Zusammenarbeit mit anderen lokalen Einrichtungen bereits mehrere hundert Lebensmittelkörbe verteilen können. Von staatlicher Seite geschieht so gut wie nichts. Beispielhaft anbei zwei Geschichten, die uns besonders nahegegangen sind:

1. Josilene Soares da Silva

lebt mit ihrer zwölf Jahre alten Tochter Bruna in einer Hütte aus Brettern. Sie wurde vor ein paar Jahren von ihrem Ex-Mann gebaut und fällt so langsam in sich zusammen. Dennoch ist Josilene sehr dankbar, dort wohnen zu können, um keine Miete zahlen zu müssen. Die Familie wird seit einiger Zeit von KoBra betreut. Bruna besucht normalerweise regelmäßig das nahegelegene KoBra- Jugendzentrum und wird zusätzlich durch eine deutsche Patenschaft monatlich mit einem Lebensmittelgutschein und Schulmaterial versorgt. Josilene unterstützt KoBra als ehrenamtliche Helferin. Sie hilft Spenden zu verteilen und fährt bei Ausflügen als Aufsichtsperson mit. Sie hat leider schon eine lange Krankheitsgeschichte. 2018 beendete sie erfolgreich die Therapie ihres Gebärmutterkrebses. Danach nahm sie die Therapie gegen Lepra wieder auf, die sie vorher unterbrochen hatte. Um den Unterhalt für sich und ihre Tochter zu sichern, stellt sie einen traditionellen Imbiss (salgadinhos) aus der Maniokwurzel her, die sie in ihrem Garten anpflanzt. Seit Beginn der Coronakrise hat sie allerdings Schwierigkeiten ihren Imbiss zu verkaufen. Daher ist sie nun mehr denn je auf Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Josilene Soares da Silva Bruna da Silva

2. Die Coopercicla

ist eine Genossenschaft, die Recyclingmaterial einsammelt, weiter *verarbeitet und verkauft. Sie wurde 2009 aus einer Initiative von KoBra gegründet und hat über die Jahre den Familien der Genossen aus der Armut geholfen. Bislang war die Genossenschaft stets ein großer Erfolg und sie konnte sich sogar vergrößern. Aktuell besteht sie aus 9 Genossen, von denen 8 weiblich sind. Zwei Männer, die einen Großteil der körperlich anstrengenden Arbeit übernahmen, haben die Genossenschaft im letzten Monat leider verlassen. Das Einkommen der Genossen ist seit Beginn der Krise drastisch gesunken. Im April konnten sie sich gar kein Gehalt ausbezahlen und mussten einen Kredit bei der Bank aufnehmen, um die festen Ausgaben zu begleichen. Der Einbruch der Einnahmen hat viele Gründe. Zunächst musste die Coopercicla aufgrund der Verordnung der Stadt zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus mehrere Wochen ganz geschlossen bleiben. Auch die Sammelstellen, die sich in der Regel in Schulen oder auf Firmengeländen befinden, waren und sind teilweise noch geschlossen. Einige Sammelstellen werden wegen des eingeschränkten Betriebes in den Firmen nicht mehr bedient oder die Firmen versuchen das Material selber weiter zu verkaufen. Ebenso erschwerte sich der Weiterverkauf des Materials. Die elektronischen Geräte, die recycelt werden können, müssen per Hand sortiert werden und dürfen wegen Hygienevorschriften nicht lange gelagert werden. Zur richtigen Trennung benötigt man viel Wissen und Erfahrung. Die Aufgabe wurde immer von einem Genossen ausgeführt, der im Moment nicht arbeiten kann, da er zur Risikogruppe gehört und sich in Quarantäne befindet. Das bereits gesammelte elektronische Material musste daher entsorgt und konnte somit nicht weiterverkauft werden. Hinzukommt, dass einer der beiden Nutzfahrzeuge, die zum Einsammeln des Materials genutzt werden, wegen eines Unfalls in Reparatur ist. Die Genossen arbeiten mit aller Kraft weiter, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Sie beginnen bereits morgens um 6 Uhr, da es dann noch etwas kühler ist und machen erst gegen 20 Uhr Feierabend. Dennoch reicht es zurzeit nicht aus. Die Genossen verdienen im Moment etwa 100 € im Monat. Damit können die wenigsten weder ihre Rechnungen bezahlen noch Lebensmittel einkaufen und sind daher auf die Hilfe anderer angewiesen. Auf dem linken Bild erhalten die Genossen Lebensmittel von KoBra. Auf dem rechten sieht man das Haus und die Familie von Genossin Juliete.

Die Genossen erhalten Lebensmittel von KoBra Haus und Familie von Genossin Juliete

Leider sind zurzeit viele Familien in ähnlichen Situationen, wie die hier geschilderten. Gerne würden wir die bedauernswerten Zustände etwas abmildern. Mit Ihrer Hilfe möchten wir die Familien in dieser schwierigen Zeit stärker unterstützen, damit sie nicht Hunger leiden müssen.

Für weitere Informationen

können Sie gern persönlich Kontakt aufnehmen entweder mit mir, Hannah Teles de Oliveira, (ed.sulhcor@hannah und/oder 06151/9502986) oder unter ed.tfurk-arbok@ofni. Jede Spende kommt nicht nur in voller Höhe dem Projekt zugute, sondern sie wird sogar mit einem Zuschuss von 15% nach Rondonópolis weitergeleitet.

Spendenkonto des KoBra-Vereins bei der Kreissparkasse Mayen IBAN: DE65 5765 0010 0090 0025 77 und BIC: MALADE51MYN